Wenn ich persönlich viel Stress habe (und da ist es egal ob durchs Arbeiten oder im Leben darüber hinaus), dann neige ich dazu, mir Schokolade zu kaufen.

Hin und wieder Schokolade, gerade auch mit Genuss, dagegen ist aus lebenslänglich leckerer Sicht nichts einzuwenden. Allerdings hält so eine 150g Tafel Dunkler Schokolade mit karamellisierten Pistazien bei mir in solchen Stresssituationen nicht lange. Genussvoll ist dann leider auch nur maximal der erste Riegel – manchmal sind es nur die ersten ein, zwei Stückchen.

Gesundes, lebenslänglich leckeres Essen sind nicht nur die Lebensmittel alleine, die ich wähle und esse – oder die ich eben bewusst im Laden stehen lasse. Lebenslänglich leckere Ernährung ist auch zu einem grossen Teil unser Essverhalten:

  • Wann esse ich?
  • Wieso esse ich? (z.B. aus Appetit, Hunger, Gewohnheit, Kompensation von etwas)
  • Was wähle ich wann aus? 

Das weiss ich schon länger. Durch die Ausbildung zur Veganen Ernährungsberaterin wurde mir dieses implizite Wissen nochmal sehr deutlich und bewusst. Darüber hinaus habe ich die vergangenen zwei Monate viele Dinge über unseren menschlichen Stoffwechsel gelernt. Details, die deutlich über mein durchaus schon angestaubtes Uni-Medizin-im-Nebenfach-Wissen hinausgehen.

Den letzten Anstupps für ein erstes Selbst-Experiment im Bereich Ernährung gab eine Erzählung einer Freundin: sie isst seit Juni (auf ärztlichen Rat hin) deutlich weniger zugesetzten Zucker. Als wir uns im Juni trafen, sie mir so davon erzählte und welche Effekte sie schon nach wenigen Wochen spürte, da beschloss ich: komm, ich probiere das jetzt im Juli auch mal aus. Angepasst für MICH.

So war Lebenslänglich Lecker Probiert Aus – oder kurz #LLLprobiertAus – geboren.

#LLLprobiertAus: mein erstes Selbst-Experiment

Meine Annahme

Ich esse oft Süssigkeiten aus reiner Gewohnheit (“Die Schokotörtchen sind eh da und sie sind lecker.”) und/oder aus Stress (“es war ein anstrengender Arbeitstag, da kann ich ruhig die Schoki mit aus dem Supermarkt mitnehmen”).

Meine Annahme ist: wenn ich mir bewusster werde, wann und wie oft ich so handle, komme ich wieder in die Lage bewusst(er) zu entscheiden. Dann kann ich wieder wählen, wann ich wirklich Schokolade essen mag… und wann mir andere Lebensmittel mehr Genuss bringen. Voraussichtlich reduziere ich dadurch meinen Zusatz-Zucker-Konsum und kann Süssigkeiten wieder richtig geniessen.

Mein Set-Up

Ich habe gestartet, mit dem was ich bereits nutze: eine einfache Tracker-App, die ich ohnehin schon auf meinem Smartphone für andere Dinge hatte. Dabei gab es Tage:

  • OHNE Zusatzzucker
  • MIT Zusatzzucker

OHNE Zusatzzucker bedeutet für mich z.B.: Obst, Saftschorle (mit max. einem „Schuss“ Saft für den Geschmack), Fruchteis (nur aus Früchten), Trockenobst, Bananenbrot nur mit Süsse aus Zimt & Banane

MIT Zusatzzucker ist z.B. das Kokos-Eis an der Lieblingseisdiele, Getränke mit Zuckerzusatz (z.B. eine Vivi Cola unterwegs), das leckere Schokotörtchen vom Bioladen, die Tafelschokolade oder der Schokoriegel aus dem Supermarkt.

Und so verlief mein Juli in Kurzfassung:

Früchtevielfalt statt Standard-Schokoriegel… und ab und zu ein Eis

An so einigen Abenden griff ich im Supermarkt zu Früchten statt zum Standard-Schokoriegel. Früchte, die sonst nicht in den Korb gewandert wären. Zu hause freute ich mich dann über die geschmackliche Vielfalt. 🙂 Im Supermarkt wars kurz schwer, danach vermisste ich nichts mehr.

Die leckeren Schokoladentörtchen, die mein Partner regelmässig für uns beide aus dem Bioladen in der Stadt mitbringt, die hatte ich für den Juli „abbestellt“. Was nicht da ist, verführt mich auch nicht.

Lauen Sommerabend-Radtouren zur Eisdiele waren dennoch möglich. Genauso auch das Süssgetränk unterwegs – wenn ich denn Lust darauf hatte. Durch mein Selbst-Experiment habe ich nämlich entdeckt: es gibt erstaunlich oft leckere Getränke mit „Blubberwasser“, die nur Früchte oder Kräuter enthalten.

Das Resultat

  • Deutlich weniger (zugesetzter) Zucker, denn ich hatte wirklich oft den Impuls „jetzt was Süsses“ dem ich früher einfach mit Schoki & Co. nachgegangen bin.
  • 3 von 4 Wochen habe ich das selbstgesteckte Ziel erreicht (5 von 7 Tagen ohne Zusatzzucker)
  • Eine Woche in der ich mein Ziel knapp verpasste (nur an 4 von 7 Tagen). Das war eine Ausnahme – und auch die müssen möglich sein.
In der letzten Juli-Woche sieht man sie: die 3 Tage „nur“ hellgrün am Stück. Da waren Geburtstagsfeier und Kurzurlaub, sprich selbstgebackener Kuchen und Eis unterwegs. 🙂

Meine Learnings für künftige Experimente. Vielleicht auch für deines?

Was mir beim Start definitiv geholfen hat, waren folgende Punkte:

  1. Ein klar abgegrenzter Zeitraum.
    • Danach kannst du Bilanz ziehen. Es anpassen. Weitermachen. Aufhören.
    • bei mir war es: Ich probiere es EINEN Monat lang aus.
  2. Sich Verbündete zu suchen.
    • Einige Menschen in den Plan einweihen, ist Gold wert. Das können Menschen sein, mit denen man lebt oder mit denen man regelmässig Zeit verbringt bzw. Kontakt hat.
    • bei mir war es: mein Partner mit den Schoki-Törtchen und die Freundin, die mich initial dazu inspiriert hatte

Und so geht es für mich in den kommenden Monaten weiter:

Vom Selbst-Experiment zur Gewohnheit?

Mein Bewusster-mit-Zusatzzucker-umgehen Experiment verfolge ich auch im August weiter. Mein Ziel ist es, das zur dauerhaften Gewohnheit werden zu lassen. Im September habe ich zwei Wochen Ferien und ich will danach nochmal eine weitere Bilanz ziehen, z.B. ob und wie lange ich es mit dem Tracker verfolgen möchte.

Gleichzeitig habe ich auch schon begonnen, Erlebnisse aus diesem Selbst-Experiment in meinem wöchentliche Tagebuch-Reflexion einfliessen zu lassen. Das war gar nicht so geplant. Doch da ich auch immer besonders bemerkenswerte Momente festhalte, wanderte da z.B. der Obstteller mit den selbstgepflückten Brombeeren rein oder auch die Wiederentdeckung von Melonen (die liebte ich früher).

Jetzt bist du dran!

Was möchtest du als nächstes ausprobieren? Wann startest du damit?

Schreibe gerne einen Kommentar hier drunter. Du darfst dich natürlich auch direkt bei mir melden.


Epilog: Nach diesem recht persönlichen Beitrag, geht es im nächsten Artikel um einige ernährungswissenschaftliche Fragen „dahinter“. Zum Beispiel: Welche gesundheitlichen Vorteile hat es überhaupt, den Zuckerkonsum zu reduzieren? Wieso wird bei Empfehlungen immer vom „freien/zugesetzten Zucker“ gesprochen bzw. inwiefern unterscheiden sich verschiedene Zuckerarten?


Avatar von Cosima Laube

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